Man möchte es sich eigentlich gar nicht vorstellen, aber es gab eine Zeit bei ver.di, da gab es weder das Wort „Erschließung“, noch hatte man eine Idee davon, was Organizer*innen in einer Gewerkschaft bewirken könnten. Diese Tage waren spätestens vorbei, als Jeffrey und andere Kolleg*innen die Werkstatt gründeten. Ver.di hat im Laufe der Jahre mehr und mehr erkannt, dass Organizing nicht mehr wegzudenken, sondern im Gegenteil auszubauen ist. Wie das Aussehen kann, möchten wir euch in diesem kleinen Bericht einmal zeigen. Wir stellen euch vier hauptamtliche ver.di Organizer*innen und ihre Arbeit in NRW vor.

v.l.n.r.: Kaoutar Charjane, Erik Brandes, Charlotte Röniger, Sören Brandes
Wir beginnen mit Kaoutar Charjane. Kaoutar hat vor ihrer ver.di Hauptamtlichkeit das Studium der Politikwissenschaften abgeschlossen und in der Migrationsberatung bei Arbeit und Leben und Minor gearbeitet. Als nächsten biografischen Schritt hat sie erfolgreich das ver.di Traineeprogramm absolviert und wurde im Anschluss als Projektsekretärin im Landesfachbereich E mit Büro in Köln eingestellt. Kaoutar ist überbezirklich und überregional mit Amazon Logistics beschäftigt. Angefangen mit nachhaltiger Recherche und Dokumentation der Arbeitsbedingungen und Strukturen bei Amazon Logistics, erschließt Kaoutar nun z.B. den Amazon Standort in Witten. Mit kluger, intersektionaler Strategie und viel Energie hat sie dort die Kolleg*innen dazu befähigt einen ver.di dominierten Betriebsrat zu gründen. Aktuell geht es um den Ausbau der betrieblichen Stärke anhand weiterer Ansprache und Aktionen. Begleitet wird dies durch den Austausch mit Vertreter*innen aus Politik und Medien. Gemeinsame politische Aktionen werden mit dem Beratungsnetzwerk Faire Mobilität, Arbeit und Leben und Faire Integration auf die Beine gestellt. Die Beschäftigten bei Amazon sind hoch motiviert und erleben dank Kaoutar kollektive Selbstwirksamkeit. Wir finden: eine wirklich kluge Entscheidung des Landesfachbereichs E hier eine Organizerin einzusetzen.
In Ostwestfalen finden wir Erik Brandes. Er ist politischer Soziologe und hat Organizing bereits vor seiner Traineeausbildung bei ver.di bei Deutsche Wohnen und Co. enteignen und der Krankenhauskampagne NRW angewandt. In 2024 hat Erik sein Trainee erfolgreich abgeschlossen und wurde im Fachbereich B eingestellt. Der größte Fachbereich NRWs testet neue Arbeitsstrukturen ganz im Sinne der kollektiven Betriebs- und Tarifarbeit. Erik ist deshalb keiner Fachgruppe im Fachbereich zugeordnet, sondern wird seit Oktober in Ostwestfalen überall da eingesetzt, wo Erschließungsexpert*innen gefragt sind. Erik steckt so ganz praktisch im Versuch eines Kulturwandels hin zur Schwerpunktsetzung betriebliche Erschließung, was ein durchaus spannendes Unterfanden ist. Dabei wird er von der Werkstatt Erschließung begleitet. Aktuell ist er vor allem in die Tarifrundes des Öffentlichen Dienstes eingebunden und wirkt bei der Stadt Bielefeld und deren Umweltbetrieben. Wir freuen uns, auf all das, was noch aus Ostwestfalen zu hören und zu sehen sein wird!
Noch ganz frisch bei ver.di in NRW angestellt ist Charlotte Röniger. Sie arbeitet als Organizierin im Bezirk Westfalen und ist keinem Fachbereich zugeordnet, sondern wirkt fachbereichsübergreifend. Charlotte ist gelernte Ökonomin und hat sich in den letzten Jahren an der Universität vor allem mit abstrakt theoretischen Themenfeldern auseinandergesetzt. Jetzt arbeitet sie ganz praktisch an ihren Herzensthemen, in dem sie in verschiedenen Betrieben, den Machtaufbau voranbringt. In der Regel bedeutet das auch, dass sie gemeinsam mit den Strukturen vor Ort strategische Konzepte und Kampagnenpläne entwickelt, Anspracheaktionen durchführt oder Aktiventreffen moderiert. Zuletzt hat sie unter anderem bei UPS Kolleg*innen erschließend auf dem Weg zur Betriebsratswahl unterstützt. Jetzt steht vor allem die Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Wir begleiten Charlotte und freuen uns auf die weiterhin zu feiernden Erfolge!
Weil ein Brandes nicht reicht, wurde sich im Fachbereich B 2023 für Sören Brandes als Projektsekretär für den größten Binnenhafen Europas in Duisburg entschieden. Bevor er bei ver.di eingestellt wurde, hat Sören Geschichte studiert. Seit 2015 ist er immer weiter zum Organizer mutiert. Ab 2022 war Sören als Organizer unterwegs und hat als solcher in der Entlastungskampagne in den Unikliniken in NRW 2022 sowie mit Industriearbeitern bei der IG Metall im Raum Schwäbisch-Hall gearbeitet. Im Duisburger Hafen Seite steht ihm neben der Werkstatt Erschließung auch Luzie Kreutler als Honorarkraft für Organizing zur Seite. Die Kolleg*innen in Duisburg haben als Hafenarbeiter*innen strukturell einen Machthebel in der Hand, sind aber auf viele Kleinbetriebe verstreut, die weder gewerkschaftlich erschlossen, noch tarifgebunden sind. Eine wichtige Herausforderung ist deshalb, die Arbeiter überhaupt zusammenzubringen. Neben Strategiefindung hat Sören unter anderem einen regelmäßigen Hafenstammtisch ins Leben gerufen, auf dem Kolleg*innen sich austauschen und gemeinsam Pläne schmieden können. Wir sind sehr gespannt, wie es in Duisburg weitergehen wird!
Erschließungsarbeit ist herausfordernd und zeitintensiv. Eine Menge Know-how und Einsatz sind gefragt. Wir sind begeistert, dass sich ver.di in NRW entschieden hat, genau dafür Kapazitäten zu schaffen: Kolleg*innen, die dezidiert Erschließungsarbeit leisten.
Wir werden mehr und das ist gut so!
Text: Lisa Schmerl
