Neujahrsgruß der Werkstatt Erschließung für 2026
Eins ist uns allen klar: Die Welt wird erstmal schlimmer, bevor sie besser wird. Die Krisen sind nicht weniger geworden – sozial, ökologisch, politisch. Gleichzeitig dringen die Interessen des Kapitals immer tiefer in unseren Alltag ein – von der Wohnungssuche über die Daseinsvorsorge bis hin zu unseren Arbeits- und Lebensbedingungen. Der Rechtsruck schreitet sich voran, autoritäre Antworten gewinnen an Boden.
Innerhalb ver.di bemühen wir uns seit Jahren, auf solche Herausforderungen vorbereitet zu sein. Wir haben beispielweise unsere Ressourcen immer mehr auf die kollektive Betriebs- und Tarifarbeit ausgerichtet. Das heißt, dass wir insgesamt mehr darauf fokussiert sind, den Beschäftigten die bestmöglichen Chancen einzuräumen, sich kollektiv zu organisieren, ihre Kämpfe zu gewinnen und sich in dieser Gesellschaft weiter zu befreien.
Dazu gehört, dass die Strukturen in unserer Organisation gewachsen sind – wie unter anderem die Werkstatt Erschließung – die sich auf den Aufbau von Macht und Kampfkraft konzentrieren. Deswegen freuen wir uns, dass wir das in 2026 sowohl in dem bisherigen Unterstützungsteam als auch in dem neuen Erschließungsteam tun können. Ebenso freuen wir uns auf die Kolleg*innen in den Fachbereichen und in den Bezirken, die mit uns zusammen weiter an dieser Linie arbeiten.
„…Wir wollen uns besser ausstatten für das, was auf uns alle zukommt….“
Im Jahr 2026 wollen wir als Organizingteam noch einen Schritt darüber hinausgehen. Wir wollen uns besser ausstatten für das, was auf uns alle zukommt. Zur Erinnerung: Die Werkstatt ist im Rahmen der Veränderungsprozesse „Baustelle Zukunft“ hier in NRW und bundesweit „Perspektive ver.di wächst“ entstanden. Die Idee war, Kolleg*innen innerhalb ver.di zu unterstützen und zu befähigen, Erschließungsarbeit in ihrer täglichen Gewerkschaftsarbeit besser zu verankern – mit dem Leitgedanken, dass wir das am besten durch die Unterstützung ihrer praktischen Arbeit im Feld, im Betrieb, mit den Menschen vor Ort, hinbekommen. Gleichzeitig hatten wir von Anfang an einen starken Auftrag beim Wissenstransfer, zum Beispiel die „Werkzeuge für Erschließung“, unsere Austauschtreffen online und in Präsenz und weitere Angebote zum Lernen und Vernetzen.
Im Jahr 2026 werden wir diese Wissenstransfer-Aufgaben etwas zurückfahren. Es wird statt vier künftig drei Austauschtreffen im Jahr geben. Die Produktion weiterer Werkzeuge haben wir komplett gebremst, obwohl es noch vier gute Ideen in der Pipeline gibt. Und wir reduzieren weiter. Wir tun das alles, weil sich zwei Dinge verändert haben: Erstens, das Wissen ist immer mehr innerhalb ver.di angekommen, dass Organizing und die Instrumente der Erschließungsarbeit eine zentrale Rolle in unserem Alltag spielen müssen. Und zweitens, weil die Arbeit im Betrieb noch mehr als je erste Geige spielen muss. Wenn wir alle wirklich eine Antwort auf Rechtsruck, Krisen, usw., geben wollen, dann müssen wir alle noch stärker dahin gehen, wo unsere Macht entsteht: in die Betriebe, zu den Beschäftigten, in Gewerkschaftsstrukturen, die halten. Wir wollen deswegen – auch als Werkstatt – schlanker, zäher und kampfbereiter in die Auseinandersetzungen 2026 und danach gehen.
„…Wenn wir alle wirklich eine Antwort auf Rechtsruck, Krisen, usw., geben wollen, dann müssen wir alle noch stärker dahin gehen, wo unsere Macht entsteht…“
Zum Schluss ein Wunsch – oder vielleicht eher eine Einladung – an alle, die das hier lesen: Lasst uns alle gemeinsam wieder in die Aufgabenkritik gehen. Schaut auf euren Kalender, auf eure Wochen. Wie viel eurer Arbeitszeit habt ihr tatsächlich mit Kolleg*innen im Betrieb verbracht – direkt, ansprechbar, gemeinsam an Themen arbeitend? Und was davon könnte man lassen, verschlanken, oder ganz anders organisieren, damit mehr Zeit genau dort landet? Denn am Ende ist entscheidend, ob mehr Beschäftigte organisiert sind, ob sie ihre Kämpfe stärker führen können – und ob wir ihnen dafür gute Voraussetzungen geschaffen haben.
In diesem Sinne: Wir sehen uns am Jahresende auf der anderen Seite – hoffentlich zahlreicher, besser organisiert und stärker als vorher.
