Druck auf die Pausetaste

Zwischenfazit einer Organizerin

Im April 2020 habe ich – mit Beginn des Corona Lockdown – meine neue Herausforderung mit der Stelle in der Werkstatt Erschließung in NRW angenommen.

Nun werde ich zum ersten Mal Mutter und verabschiede mich zum 01.05.24 in den Mutterschutz und die Elternzeit, weshalb ich diesen Moment nutzen möchte, um anzuhalten, zurückzuschauen und zu reflektieren.

Angefangen hat mein beruflicher Weg mit einer Ausbildung im Stahlgroßhandel in Duisburg, wo ich über meine Arbeit als Interessenvertreterin das erste Mal mit ver.di als Gewerkschaft in Kontakt kam. Nach einer ehrenamtlichen Zeit habe ich 2012 das Einarbeitungsprogramm begonnen und ich habe sieben Jahre als Jugendsekretärin im Bezirk Ruhr-West gearbeitet. Über einen kurzen Abstecher im FB A habe ich dann, wie oben beschrieben, die Arbeit in der Werkstatt Erschließung begonnen.

Schon vor meiner Zeit als Organizerin in der Werkstatt war mir der Begriff „Organizing“ insofern geläufig, als dass ich eine Modulausbildung zu diesem Thema intern bei ver.di absolviert habe. Mein Gefühl war zu diesem Zeitpunkt – das muss 2015 gewesen sein – dass Organizing durchaus Thema der Organisation war, jedoch fühlte ich mich eher belächelt, wenn ich erzählte, dass ich ein Erschließungsprojekt umsetze. Außerdem wussten nur wenige Kolleg*innen wirklich, was Erschließungsarbeit bedeutet. Auch ich musste feststellen, dass es eine Herausforderung war, Erschließungsarbeit in die reguläre Arbeit zu integrieren. Jeder hat es auf seine eigene Weise versucht, ohne eine klare Gesamtstrategie innerhalb von ver.di.

Möglicherweise hat mein Blick auch damit zutun, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch Jugendsekretärin war und in meiner Arbeit selber keinen Schwerpunkt auf Erschließungsarbeit gelegt habe.

Heute – einige Jahre später – hat sich aus meiner Sicht sehr viel getan: Erschließungsarbeit ist in den KBTA-Rahmenstandards verankert, es gibt jede Menge Qualifizierungen für KBTA-Sekretär*innen und auch Trainees werden von Beginn an in den wichtigsten Haltungen und Instrumenten des Organizing geschult. Mehr hauptamtliche Kolleg*innen als je zuvor (und auch ganze Teams!) setzen Erschließungsarbeit in der Regelarbeit um, es gibt Strategien der Gesamtorganisation für ganze Tarifrunden, es gibt Abteilungen und jede Menge Projektstellen, die sich ausschließlich auf die Ausweitung der Erschließungsarbeit in ver.di konzentrieren. Und nicht zuletzt: es gibt die Werkstatt Erschließung als Kompetenzzentrum für Erschließungsarbeit in NRW.

Ich bin in den letzten vier Jahren angekommen, habe verstanden und erlebt, was es bedeutet, wenn Beschäftigte berührt sich von ihren Themen, sich organisieren und emanzipieren und darüber in der Lage sind, ihre Forderungen durchsetzen zu können. Betriebliche Kolleg*innen aus den verschiedensten Branchen haben mir gezeigt, was es bedeutet mutig und ausdauernd zu sein und dass es sich lohnt, für die eigenen Ziele zu kämpfen.

Mit diesen Erfahrungen und mit einer Zuversicht, dass die Organisation auf dem richtigen Weg ist, möchte ich für mich persönlich die Pausetaste drücken.

Ich freue mich sehr darauf, in einem Jahr wieder mitwirken zu können an unserem gemeinsamen Herzensprojekt.

Kim Frew